Der Federball – das unbekannte Wesen

Nachdem wir jetzt schon so viel über unseren Lieblingssport erfahren habe, widmen wir uns heute einem wichtigen Thema: dem Federball (englisch: shuttlecock). Woraus besteht er? Wo kommt er her? Was ist das Besondere daran? Kann er auch in die Mauser kommen?


Jaja, die Mauser: Nur die wenigsten wissen heutzutage, dass der Federball ursprünglich tatsächlich ein Nebenprodukt der Mauser ist: Nämlich die der chinesischen Bad Ming Ton – Ente (daher auch der Name Badminton), eine enge Verwandte der auch bei uns beliebten Ming – Ente. In der Provinz Sheng Zuan in China leben tausende Bauernfamilien von der Zucht dieser Enten. Mindestens zweimal im Jahr geraten diese Vögel in die Mauser und werfen dabei, und das ist das Besondere daran, auch einen Teil der Bedeckung ihres Bürzels ab. Daran stecken dann kreisförmig noch mindestens 16 Federn, die ca. 70 mm lang sind. Das ganze wird eingesammelt, gesäubert und getrocknet. Ganze Familien arbeiten mit an diesem lukrativen Nebenerwerb, der zunehmend zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor in der ansonsten recht kargen Provinz wurde. Die Federn wurden getrimmt, mit Sprühlack überzogen und nicht selten in den Farben geliefert, die die Vereine in aller Welt bestellten.

 

20200223 Badminton shuttlecock

Hier ein fertiger „shuttlecock“, wie er heute meist verwendet wird

 


Früher wurde dann der Restbürzel um die Federkiele gestülpt, aber vielen geriet der Federball dadurch zu schwer und irgendwann kam man dann darauf, den Bürzel, der zudem auch recht unansehnlich war, durch einen Korken zu ersetzen. Hierbei stand man vor einer großen Auswahl, denn Korken aus leergetrunkenen Weinflaschen sind nicht gerade selten. Man sagt, der Korken des australischen Sauvignon Blanc eigne sich am besten für einen ausgewogenen und leichten Federball, der heutigen Turnierstandards genügt, aber auch die Korken des deutschen Riesling vom Kaiserstuhl sind international sehr beliebt. Dass der Korken des Federweißen aus der Nähe von Quakenbrück ebenfalls sehr geeignet ist, hat sich allerdings als Gerücht entpuppt. Korken des afrikanischen Shiraz geraten meist relativ schwer und werden von Anfängern bevorzugt, die noch keine Technik entwickelt haben, mit der sie den Ball über das ganze Spielfeld spielen können.


Heute werden die Bälle zunehmend künstlich aus Plastik hergestellt. Auch diese Bälle haben einen Korken als Spitze, der allerdings kein zweites Leben nach einer Karriere als Weinverschluss aufweisen kann. Profis schwören allerdings auf das Naturprodukt aus Federn und „echten“ Korken, nicht zuletzt gerade wegen der Herkunft der Korken.


Liebhaber fertigen ihre eigenen Federbälle an und lassen sich dazu Rohlinge aus China liefern, die in Paketen à 512 Stück direkt aus China geliefert werden. Man trimmt dann die Federn auf eine Länge von ca. 64 mm, färbt sie eventuell ein und konserviert sie mit einem biologischen Sprühlack, versieht die Spitze mit dem Korken seiner Wahl, rundet diesen dann vorne mit einer Art Anspitzer ab und überzieht ihn mit einer Folie aus Rohkautschuk. Das Ganze ist weniger kompliziert als es sich anhört und im Kreise einiger Mitspieler lässt sich so auf sehr preiswerte Weise der Vorrat für eine ganze Saison an einem Nachmittag herstellen – nicht selten werden auf diese Weise auch neue Korken getestet.


Wer Interesse an der Herstellung eigener Federbälle hat: Wir treffen uns das nächste Mal zum Federball-Basteln und zeigen dabei gerne, wie es geht, am 01. April um 17:00 Uhr im TSV Clubheim. Dabei  könnt ihr auch euren eigenen Federball designen und auch gerne gegen ein geringes Entgelt mit nach Hause nehmen.

 


20200223 Badminton Reste Buerzel

Hier sind die Reste des Bürzels noch gut erkennbar
 

20200223 Badminton altes Modell
Ein altes Modell, angefertigt von einem nicht besonders versierten Bastler, mit minderwertigem Material

 

Ein „nicht ganz ernstzunehmender“ Bericht

von Eckhard Schultz