Badminton in der Isolation

Für uns alle waren die vergangenen 19 Monate eine harte Prüfung. Und erst in den letzten Wochen begann zaghaft eine Form der Normalisierung langsam wieder einzutreten, zerbrechlich und empfindlich und jederzeit widerrufbar. Viele vermissten den Sport und einige versuchten verzweifelt, sich irgendwie anderweitig zu betätigen, denn das Gespenst der Gewichtzunahme ließ sich nicht verleugnen.

 

Was aber macht man, wenn man gerne Badminton spielt, aber die Halle über Monate nicht benutzt werden kann? Das Einfachste ist, man besinnt sich auf vergangene Zeiten, in denen man auf der Straße vor dem Haus mit Freunden vor sich hin pickerte, nur sehr selten von einem vorbeifahrenden Auto unterbrochen. Es ging damals meist darum, den Ball so lange wie möglich in der Luft zu halten und nicht, wie heutzutage, dem Gegner so schnell wie möglich um die Ohren zu zwiebeln.

 

20211107 Badminton Rekorde

 

Aber wie lange funktioniert so etwas? Wie lange kann man den Ball hin und her spielen, ohne dass er Grundberührung erfährt? Ich erinnere mich, dass wir damals stolz wie Bolle in den niedrigen dreistelligen Bereich vorgedrungen waren (und schnell merkten, dass es so dann doch langsam langweilig wurde). Aber in diesen Zeiten wäre das ja vielleicht mal eine Möglichkeit gewesen, die Badmintonausrüstung zu aktivieren, ohne sich irgendwelcher Virenlast auszusetzen. Das haben aber schon andere versucht, immer das Guinness Buch der Rekorde im Blick: 2016 haben zwei Augsburger es geschafft, den Ball über 24 Stunden und 18 Minuten in der Luft zu halten; 13 Minuten länger als der zu der Zeit gültige Weltrekord von 2009. 158 Sätze haben sie dafür gebraucht. Bei aller Liebe: das muss man schon mögen!

 

Im Doppel scheint dieses Vorhaben dann sogar noch erfolgversprechender: In Florida wurde 2014 der gültige Weltrekord im Badmintondoppel über 32 Stunden und 25 Minuten aufgestellt. Man fragt sich allerdings angesichts dieser Zahlen, ob das denn noch viel Spaß gebracht haben mag… Wem das also alles nicht aufregend genug erscheint, der kann ja mal versuchen, den Weltrekord in Schlägen pro Minute zu überbieten: vorausgesetzt, man hat jemanden, der die Schläge pariert, müsste er/sie dann aber mindestens 123 Schläge pro Minute schaffen. Nicht so ganz einfach also. Wir sind schon froh, wenn wir 30- bis 40-mal pro Minute treffen.

 

Und dann ist da noch die Schnelligkeit. Ich bin sicher, dass an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen wurde: mit 493 km/h wurde im Badminton die weitaus höchste Geschwindigkeit eines gespielten Balles gemessen. Auch davon sind wir jedoch weit entfernt. Und selbst wenn: wie misst man so was? Stoppuhr, Zollstock und Kamera? Hinweise an dieser Stelle sind immer willkommen.

 

Das Alles sind Vorschläge für Beschäftigung in der Krise. Wir alle waren jedoch wirklich froh, als irgendwann wieder zaghaft grünes Licht signalisiert wurde und wir uns unter Einhaltung aller möglichen Vorsichtsmaßnahmen, die gefühlt stündlich geändert wurden, wieder in der Halle treffen konnten, um weiterzuspielen. Einfach zu spielen. Keine Rekorde. Nicht stundenlang alleine vor sich hinzupickern. Und fast alle waren wieder da: froh, diese Krise bis dahin überwunden zu haben. Neue kamen dazu und haben schnell gemerkt, wie viel Spaß es bringen kann, einfach so zu spielen. Wie wertvoll es ist, einen Lieblingssport betreiben zu können, ohne Angst zu haben, dass da irgendwo eine unsichtbare Gefahr lauert.

 

Hoffen wir, dass es so bleibt.


Ein Bericht von Eckhard Schultz